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Winterfütterung von Greifvögeln und Eulen

Die in der Schweiz überwinternden Greifvögel und Eulen sind gut an winterliche Verhältnisse angepasst. Strenge Winter mit lang anhaltender geschlossener Schneedecke oder wochenlang gefrorenem Boden können sie aber in Not bringen, da Mäuse, ihre bevorzugte Nahrung, dann nicht mehr erreichbar sind.

Viele Mäusebussarde weichen kurzfristig in klimatisch günstigere Gebiete aus, etwa von der Schweiz nach West- und Südfrankreich oder von Berggebieten in Talschaften. Wir sprechen dabei von Winterflucht oder Schneeflucht. Schleiereule und Waldkauz stellen ihre Nahrung teilweise um und jagen vermehrt Kleinvögel statt Mäuse.

In besonderen Notlagen, wie sie nur alle paar Jahre vorkommen, treten grössere Verluste auf. Solche Verluste werden in den nachfolgenden Jahren meist rasch wieder ausgeglichen. Mit einer speziellen Fütterung kann den ausharrenden Greifvögeln und Eulen punktuell geholfen werden. Allerdings ist diese Fütterung sehr aufwändig und kaum mit der Fütterung von Kleinvögeln zu vergleichen. Sie ist daher durch erfahrene Vogelkenner vorzunehmen. Die erhöhten natürlichen Verluste in harten Wintern können auch mit Fütterung nur gemindert, nicht jedoch verhindert werden.


Fütterung von Greifvögeln (Mäusebussard, Rotmilan, Habicht, Steinadler)
Viele Greifvögel wagen sich nur ungern ins Siedlungsgebiet. Hier würde die Fütterung zudem bei manchen Nachbarn zu Reklamationen Anlass geben. Die Futterstelle ist mit Erlaubnis des Landeigentümers auf dem freien Feld einzurichten. Wichtig ist, dass keine Strassen, Bahnlinien und Hochspannungsleitungen in der Nähe der Futterstelle verlaufen. Platzieren Sie eine einfache Holzplattform (40x40cm) auf einem Pfahl, der die Schneedecke 1-2m überragt. Das Fleisch wird auf der Plattform angeboten und gut mit Drähten oder Nägeln fixiert. Dadurch verhindert man, dass das Fleisch zu Boden fällt und von Hunden, Füchsen, Dachsen oder Katzen gefressen wird. Bringen Sie das Fleisch am frühen Morgen zimmerwarm aus. Beim Ausapern kann die Fütterung eingestellt werden.


Mäusebussard

Rotmilan

Habicht

Steinadler

Als Fleisch eignet sich rohes mageres Muskelfleisch und frische Kleintier-Kadaver (Unfallopfer). Fleischabfälle, Fett und Innereien wie Lunge und Gedärme sollen nicht verfüttert werden, denn sie sind schwer verdaulich. Herz und Leber verursachen Durchfall. Muskelfleisch soll als ganzes Stück, frische Kadaver sollten mit Pelz oder Federn angeboten werden. Dadurch verhindert man, dass das Fleisch schnell durchfriert. Gefrorenes Fleisch ist für Greifvögel gefährlich. Bei sehr tiefen Temperaturen sollte man mehrmals täglich kleinere Portionen auslegen.


Fütterung von Turmfalke und Eulen (Schleiereule, Waldkauz, Steinkauz)
Anders als die obigen Greifvögel sind Turmfalken und Eulen auf lebende Beute angewiesen. Die Unterstützung erfolgt daher indirekt. An schneefreien Stellen entlang von Hecken kann man Körner streuen, die Kleinnager unter dem Schnee hervorlocken.

Im Winter jagt die Schleiereule gerne in Gebäuden nach Mäusen. Man kann ihr dadurch helfen, dass man Scheunen offenhält oder Einflugmöglichkeiten in Dachböden von Gehöften schafft.

Eulen legen gelegentlich Nahrungsreserven in Baumhöhlen oder Nistkästen an. In diesen kann man vor Einbruch der Nacht tote Mäuse auslegen. In Notzeiten nehmen Schleiereule, Waldkauz und Steinkauz diese Zusatznahrung gerne an. Diese Spezialhilfe setzt umfassende Kenntnisse über die Brutplätze und Lebensgewohnheiten der Eulen voraus.


Ein intakter Lebensraum kann gerade im Winter entscheidend sein
Ganz allgemein geraten Greifvögel und Eulen in Jahren mit witterungsbedingten Extremverhältnissen in einer vielfältigen, naturnahen Landschaft weniger in Bedrängnis als in grossflächigen, eintönigen und strukturarmen Agrarlandschaften. Hecken und Buntbrachen bieten vielen Kleintieren Unterschlupf. Greifvögel und Eulen können hier auch in strengen Wintern noch Beute schlagen. Das Fördern von Ufergebüschen, Niederhecken und Baumhecken, Altgrasstreifen, Hochstamm-Obstbäumen, Bunt- und Rotationsbrachen ist eine langfristige Hilfe für Greifvögel, Eulen und andere Tiere.

Impressum: Merkblätter für die Vogelschutzpraxis

© Schweizerische Vogelwarte Sempach und Schweizer Vogelschutz SVS - BirdLife Schweiz, Sempach und Zürich.

Autor: M. Kestenholz

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