| Die Nutzung der Windenergie als erneuerbare Energiequelle hat in den letzten
Jahren starken Auftrieb erhalten. Dem Umweltnutzen der Windenergie, insbesondere
unter dem Aspekt der Kohlendioxidproblematik, stehen wie bei jeder technischen
Anlage mögliche Konflikte mit Anliegen des Naturschutzes gegenüber.
Die vorliegende Arbeit gibt einen Überblick über das aktuelle
Wissen zu möglichen Auswirkungen der Windenergienutzung auf Vögel.
Einbezogen wurden 268 Publikationen, Berichte und Schriften. 174 davon
bezogen sich direkt auf den Konflikt Windenergie und Vögel. Mögliche
Auswirkungen können folgendermassen systematisiert werden: (1) Vogelschlag/Kollision;
(2) Auswirkungen auf den Lebensraum (Habitat) und das Verhalten der Vögel.
Kollisionen von Vögeln mit Windkraftanlagen wurden in vielen Gebieten
festgestellt. Von Kollisionen betroffen sind sowohl ziehende als auch
ortsansässige Vögel. Tagsüber sind insbesondere grosse
Vögel (z.B. Störche und Greifvögel) mit geringer Manövrierfähigkeit
betroffen. Für nachtziehende Vögel bergen vor allem Nächte
mit schlechten Wetterverhältnissen (insbesondere schlechter Sicht)
ein grosses Gefahren-Potenzial. Die Auswirkungen der erhöhten Mortalität
auf die Entwicklung der Bestände sind unklar. Für die Bestände
von grösseren und langlebigen Arten mit einer geringen Fortpflanzungsrate
könnte die erhöhte Mortalität problematisch sein. Dies
vor allem, wenn die Kollisionen an Orten auftreten, wo sich Vögel
aus einem grossen Einzugsgebiet konzentrieren, z.B. an Zugschneisen. Bei
Kleinvögeln scheinen die möglichen Auswirkungen nicht sehr gross
zu sein, da es sich bei den meisten um kurzlebige Arten mit einer hohen
Fortpflanzungsrate handelt.
Windkraftanlagen verändern die Lebensräume von Vögeln,
weil durch sie neue Strukturen geschaffen werden und mit der Erstellung
der Anlagen meist eine Änderungen der Nutzung der Fläche verbunden
ist. Änderungen in der Habitatnutzung oder im Verhalten, z.B. Meiden
der Umgebung von Windkraftanlagen, scheinen vor allem bei Brut- und Rastvögeln
offener Lebensräume vorzukommen (z.B. Limikolen, Gänse). Inwieweit
diese Auswirkungen relevant sind, die aus Naturschutzsicht einem partiellen
bis vollständigen Lebensraumverlust gleich kommen, hängt in
erster Linie vom Gefährdungsstatus der betroffenen Arten und Lebensräume
ab.
Die Auswirkungen von Windkraftanlagen auf Zugvögel bestehen vor
allem darin, dass die Vögel durch das Hindernis vom Zugweg abgelenkt
werden oder dass ein Teil der Vögel, die sich nicht ablenken lassen
und durch den Windpark fliegen, mit den Anlagen kollidiert oder durch
Wirbel zu Boden geschleudert wird. Da die meisten Zugwege traditionelle
Routen sind, wiederholt sich die Beeinträchtigung jeden Herbst und
Frühling. Welche Auswirkungen diese Verluste für die Populationen
haben, ist unbekannt.
Die indirekten Auswirkungen von Windkraftanlagen z.B. durch den Bau von
zusätzlichen Infrastrukturanlagen oder die Erschliessung bisher wenig
genutzter Räume, die zu einer Veränderung z.B. der landwirtschaftlichen
Nutzung oder zu einem höheren Besucheraufkommen führen können,
wurden bisher kaum untersucht, müssen aber bei der Prüfung der
Verträglichkeit von Windkraftanlagen mitberücksichtigt werden.
Der aktuelle Wissenstand zeigt, dass Windkraftanlagen negative Auswirkungen
auf Vögel (und andere fliegende Tiere) haben können. Dabei steht
aber auch fest, dass weitere, international koordinierte Forschung in
einem grösseren Rahmen durchgeführt werden muss. Die Heterogenität
der Projekte und die Vielfalt an Reaktionen der Vögel lassen bislang
keine abschliessenden und allgemeingültigen Folgerungen zu. Aus der
Sicht der Schweiz ist besonders zu beachten, dass Untersuchungen aus dem
Voralpen- und Alpenraum weitgehend fehlen. Die meisten Untersuchungen
sowohl zu Kollisionen wie auch zu Auswirkungen auf die Nutzung des Lebensraumes
fanden in tiefen Lagen, oft in Küstengebieten statt.
In der Schweiz soll die Windenergienutzung gefördert werden. Das
Programm EnergieSchweiz sieht bis 2010 die Erstellung von
mehreren Windparks vor. Aufgrund der Literaturauswertung sind Konflikte
in erster Linie dort zu erwarten, wo gefährdete Arten offener Landschaften
betroffen sind oder wo sich Zugvögel aufgrund topographischer Bedingungen
konzentrieren. Der Standortwahl ist deshalb höchstes Gewicht einzuräumen,
um Konflikte mit der Vogelwelt möglichst zu vermeiden. Zu berücksichtigen
sind dabei die bereits vorhanden Grundlagen zu Vorkommen relevanter Arten
(insbesondere Prioritätsarten für Artenförderungsprogramme),
zu bedeutenden Lebensräumen (Bundesinventare) sowie die Kenntnisse
über den Vogelzug.
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