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Wildfallen im Siedlungsraum
Worum geht es?Viele kleine und auch grössere Tiere nutzen überbautes Gebiet als Teil ihres Lebensraums. So finden beispielsweise Fledermäuse, Siebenschläfer und Schleiereule im Dachstock ein Zuhause, Bergmolch und Wasserfrosch tummeln sich im Gartenbiotop und der Igel macht den Schnecken im Salatbeet den Garaus. Durchs Quartier streicht nicht nur die Hauskatze, auch Fuchs und Marder wagen sich immer mehr in Dörfer und Städte. Sie alle leben hier mit uns Menschen zusammen, auf typisch nachbarschaftliche Art: meist friedlich, manchmal toleriert und seltener auch mit kleineren Konflikten. Unbewusst nehmen wir Menschen unseren Mitbewohnern jedoch da und dort den «Wohnraum» oder lassen sie in tödliche Fallen laufen. Wir zeigen Ihnen, wie sich dies zukünftig vermeiden lässt.An wen wenden wir uns?Angesprochen sind alle, die beim Neu- oder Umbau und beim Unterhalt eines Hauses mitwirken: Eigentümer, Architektin, Handwerker, Gartenbauerin, Hauswart, Immobilienverwaltung und Bewilligungsbehörden. Wer bei seiner Tätigkeit darauf achtet, bestehende Wildfallen zu beseitigen bzw. keine neuen zu schaffen, hilft mit, Dörfer und Städte als Lebensraum für eine vielfältige Tierwelt zu erhalten. Dieses verantwortungsbewusste Verhalten gegenüber der Natur steigert gleichzeitig den Erlebniswert des Siedlungsraumes.Was bieten wir?Über das Thema «Tiere im Siedlungsraum» existiert bereits vielfältiges Informationsmaterial. Verschiedene Vereine haben zu einzelnen Tiergruppen (z.B. Vögel, Igel, Amphibien) ausführliche Merkblätter, Arbeitshilfen usw. erarbeitet. Das vorliegende Faltblatt dient Ihnen als Wegweiser zu diesen Informationen. Es zeigt die wichtigsten Gefahrenquellen für Tiere im Siedlungsraum und nennt die Anlaufstellen, bei denen Sie weitere Auskünfte erhalten. Oft braucht es nur ein wenig guten Willen, um Dörfer und Stadtquartiere auch für unsere kleinen und grösseren tierischen Mitbewohner freundlich zu gestalten.Wildtiere im Siedlungsraum - Gefahren, Hindernisse, Lösungen1 Kamin Kamine
sind für Vögel beliebte Aussichts-, Ruhe- oder sogar Nistplätze. Sie
bergen jedoch auch ein beträchtliches Risiko, besonders wenn sie breite Sitzflächen
und grosse Öffnungen haben: Vornehmlich kleinere und junge Vögel sowie Fledermäuse
können durch offene Kamine abstürzen. Im Innern gefangen, geraten sie
in Panik und finden in der Enge keine Möglichkeit mehr zum Ausflug.
2 Fenster
Für Vögel sind Glasscheiben eine häufige Todesfalle: Sie werden
im Flug nicht als Hindernisse erkannt. Meist ist der Vogel nach einer solchen
Kollision schwer verletzt oder stirbt. Besonders problematisch sind grosse Glasfronten
wie Wintergarten, Balkonverglasungen, Windschutz, grosse Fenster. In der Glasfläche
spiegelt sich die Umgebung oder durchsichtige Konstruktionen täuschen einen
hindernisfreien Lebensraum vor.
3 Dachstock Dachstöcke
sind für Fledermäuse und auch bestimmte Vogelarten ein wichtiger Lebensraum. Den
Dachstockbewohnern drohen jedoch durch menschliche Aktivitäten u.a. tödliche Gefahren.
Oft werden bei saisonalen Unterhaltsarbeiten die Einschlupflöcher verschlossen,
so dass die Tiere entweder in ihrem Wohnquartier eingeschlossen oder davon ausgesperrt
sind. Bei Renovationen und Umbauten von Dächern können Nistgelegenheiten oder
Wohnquartiere zerstört werden.
4 Lichtschacht und Kellerabgang Ebenerdig
angelegte Licht-, Lüftungs- oder Entwässerungsschächte sind für
Kleintiere eine tödliche Fallgrube. Kellerabgänge haben eine ähnliche
Wirkung: Amphibien, Reptilien, Laufkäfer oder Mäuse, selbst Igel können
hinunterfallen und finden keinen Ausweg mehr wegen der senkrechten Schachtwände
oder Treppenstufen.
5 Gartenunterhalt Kleine
Mitbewohner im Hausgarten sind in verschiedenster Weise bedroht: In der Vegetationszeit
besteht z.B. die Gefahr, dass sie in ihrem Unterschlupf durch Motorsensen oder
Fadenmäher vermäht werden. Der Einsatz von Netzen bei Beerensträuchern,
Obstbäumen oder Reben wird vor allem Vögeln, aber auch Igeln zum Verhängnis.
Im Hausgarten verwendete Gifte sind eine weitere Bedrohung. Im Winterhalbjahr
stört man bei Unachtsamkeit Tiere in ihrem Winterquartier: Das Entfernen
oder Verbrennen des Asthaufens im Garten gefährdet den überwinternden
Igel, der Abbau der Brennholzbeige zerstört das Winterlager von Fledermäusen,
Mäusen oder Schläfern.
6 Gartengestaltung Viele
Grünflächen und Gärten im Siedlungsbereich sind kein geeigneter Lebensraum
für Tiere, da sie weder Unterschlupf noch Nahrung bieten. Einige Beispiele: Exotische
Pflanzen sind für die einheimische Fauna meist nutzlos. Ein kurzgeschnittener,
gedüngter Rasen ist sehr artenarm, das Fehlen von blühenden Pflanzen
macht ihn für viele Insekten wertlos. Betonmauern und versiegelte Flächen
sind Barrieren und bieten keinen Lebensraum für Tiere.
7 Zäune und Netze Zäune
und Netze (Gartenzäune, flexible Weidezäune sowie Vogelschutznetze)
sind nicht nur Barrieren, die die Lebensräume von Tieren zerschneiden, sie
können auch gefährliche Fallen darstellen für Füchse, Dachse,
Rehe, Igel, Vögel, Katzen usw: In losen oder herumliegenden Netzen können
sich Tiere verfangen. Beim Durchschlüpfen unter dem Zaun oder durch die Zaunzwischenräume
bleiben die Tiere hängen, sie verletzen sich oder klemmen sich ein und können
qualvoll verenden.
8 Schwimmbecken So
schön ein Gartenteich oder Swimmingpool für die menschlichen Hausbewohner
ist - für verschiedene Kleintiere wie Mäuse, Reptilien, aber auch
Füchse, Dachse, Igel und Katzen kann er zur tödlichen Falle werden.
Dies in zweierlei Hinsicht: Einerseits besteht die Gefahr des Ertrinkens im
gefüllten, offenen Pool, andererseits können die Tiere im Winter in
den geleerten Pool hinunterstürzen. In jedem Fall gibt es für Tiere
kein Entkommen, wenn die Beckenwände zu steil oder gar senkrecht sind.
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