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Was tun mit einem jungen Mauersegler? Der Mauersegler verbringt beinahe sein ganzes Leben in der Luft -
nur mit einem perfekten Gefieder kann er diese Dauerleistung erbringen. Falsche
Fütterung und Haltung schädigt das Gefieder dauerhaft und das Tier muss in der
Folge eingeschläfert werden. Die Aufzucht von Mauerseglern gehört deshalb in die
Hände von Fachpersonen.Warum fallen junge Segler aus dem Nest?An heissen Tagen staut sich die Wärme unter den Dächern und lässt die Temperatur in den Nisthöhlen der Segler ansteigen. Die Jungvögel versuchen sich dann häufig am Nesteingang etwas Kühlung zu verschaffen. Wagen sie sich zu weit vor, fallen sie aus dem Nest. Im Gegensatz zu vielen andern Arten werden junge Mauersegler ausserhalb des Nestes von den Altvögeln nicht mehr gefüttert. Hilft man ihnen nicht, bedeutet dies unweigerlich den Tod für die Jungen.Wie kann man helfen?Sind die Nistplätze über eine Leiter oder Treppe erreichbar, kann man das Junge umgehend in sein Nest zurücklegen. Sie dürfen den Jungvogel ruhig in die Hand nehmen, er wird ohne Problem von den Altvögeln angenommen. Man muss zwingend darauf achten, den Jungvogel in ein Nest mit gleichaltrigen Mauerseglern zu setzen!Findet oder erreicht man kein Nest, packt man den Mauersegler vorsichtig in eine Kartonschachtel. Diese versieht man mit Löchern und legt sie mit Haushaltpapier aus. Dann bringt man den Vogel so rasch als möglich in eine Pflegestation oder in die nächste betreute Kolonie. Aufzucht von Jungvögeln Die
Fütterung und Haltung von jungen Mauerseglern ist zeitaufwändig und schwierig.
Sie sollte deshalb nur von Fachleuten durchgeführt werden. Sofern die betreuten
Kolonieplätze ausgelastet sind und bei der nächst gelegenen Pflegestation niemand
erreichbar ist, finden Sie in der Folge einige Hinweise, wie einem jungen Mauersegler
geholfen werden kann. Versuchen Sie aber immer wieder, den Jungvogel bei einer
Fachperson abzugeben. Grundsätzlich braucht es für die Haltung von wildlebenden
Vögeln eine Bewilligung des Kantons (Jagdverwaltung). NotfutterBei geschwächten Tiere verdünnen Sie Nutri-Cal (bei Tierärzten erhältlich) mit lauwarmem Wasser und flössen es dem Vogel tröpfchenweise ein. Platzieren Sie dazu einige Tröpfchen am Schnabelrand.Bis Sie Heimchen auftreiben können, kann mageres Rindshackfleisch, das mit etwas frischem Eigelb vermischt wird, während maximal einem bis zwei Tagen verfüttert werden. Vorsicht, das Gefieder darf nicht verschmiert werden! Von etwa 7 Uhr bis 21 Uhr muss stündlich gefüttert werden. FütterungMauersegler sind reine Insektenfresser und brauchen deshalb während der Aufzucht eine entsprechende Kost. Wird anderes Futter verwendet, kann das Gefieder irreparabel Schaden nehmen - die Jungtiere sind nicht flugfähig und müssen in der Folge eingeschläfert werden.Mauersegler sollten während der Fütterung immer in Bauchlage gehalten werden, damit sie sich nicht verschlucken. Am besten hält man das Tier mit Stoffhandschuhen oder mit einem Tuch, das man um das Tier wickelt, damit Fett und Schweiss von unseren Händen das Gefieder nicht beeinträchtigen. Im Gegensatz zu jungen Singvögeln sperren die Mauersegler meist nicht und die Tiere müssen zwangsgefüttert werden. Hier braucht es viel Fingerspitzengefühl, denn die filigranen Schnäbel brechen schnell. Sanft und ohne Druck versucht man, einen stumpfgefeilten Fingernagel in den Schnabelwinkel zwischen Ober- und Unterschnabel zu schieben. Das Futter muss nun mit dem Finger weit nach hinten in den Schlund geschoben und der Schnabel geschlossen werden. Dann streicht man zart von aussen an der Kehle entlang nach unten, um den Schluckreflex auszulösen. FutterHervorragend bewährt hat sich die Fütterung mit etwa 2 cm grossen Heimchen (Grillen), die Sie in Zoohandlungen oder bei der unten angegebenen Adresse bestellen können. Die Heimchen töten Sie im Tiefkühlfach ab und tauen sie nach Bedarf wieder auf. Eine Mahlzeit umfasst etwa 3-6 Heimchen. Gefüttert werden muss stündlich zwischen 7 und 21 Uhr. Pro Tag und Pflegling werden rund 40-90 Heimchen benötigt.UnterbringungMauersegler dürfen keinesfalls in Vogelkäfigen oder anderen Behältern aus Draht gehalten werden, da sie sich sonst irreparable Gefiederschäden zuziehen.Am besten bewährt haben sich ein Karton oder eine Plastikwanne mit einer Grundfläche von etwa 30 x 40 cm und hohen Seitenwänden. Die Schachtel muss gross genug sein, damit der junge Mauersegler seine Flugmuskeln trainieren kann. Der Boden wird mit Haushaltpapier ausgekleidet. Das Haushaltpapier muss regelmässig gewechselt werden, damit das Gefieder nicht durch den Kot verschmutzt wird. Die Schachtel wird mit einem Deckel, in den genügend Luftlöcher gestanzt wurden, abgedeckt - und fertig ist die künstliche Bruthöhle. Schwach befiederte Mauersegler brauchen eine permanente Wärmequelle. Hat man keinen Infrarotdunkelstrahler zur Verfügung, versieht auch eine 40-Watt Glühbirne, die etwa 35 cm über den Tieren angebracht wird, ihren Dienst. Es können gut mehrere Mauersegler zusammen in einer Kartonschachtel gehalten werden, auch wenn sie nicht gleichaltrig sind. Freilassung
Sobald Mauersegler in der Luft sind, sind sie selbstständig. Ein flügger Jungvogel
besitzt ein völlig ausgebildetes Federkleid, wenn die Flügelspitzen den Schwanz
um etwa 2 cm überragen. Bei seiner Freilassung sollte er mindestens 45 g wiegen.
Kurz vor dem Flüggewerden ändert sich auch das Verhalten. Er fängt an, das Futter
zu verweigern und würgt es immer öfters aus. Vor allem in den Abendstunden wird
er unruhiger und trainiert mit Ausdauer seine Flugmuskulatur. Den flüggen Jungvogel
darf man nicht einfach in die Luft werfen. Man stellt sich gegen den Wind, legt
den Segler auf die offene Handfläche und hält den Arm gestreckt über den Kopf.
Jetzt heisst es abwarten, bis der Vogel selbstständig wegfliegt. Auch Segler,
die erst im September flügge werden, können bedenkenlos freigelassen werden, solange
die Temperaturen mild sind.
Impressum: Merkblätter für die Vogelschutzpraxis© Schweizerische Vogelwarte Sempach und Schweizer Vogelschutz SVS - BirdLife Schweiz, Sempach und Zürich.Autor: O. Holzgang, B. Trösch Das Kopieren mit Quellenangabe ist erwünscht.
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